NINIA LAGRANDE

NINIA ARBEITET ALS MODERATORIN, AUTORIN UND PODCASTERIN.

Durch Corona hat sich unfassbar viel in meinem Arbeitsalltag verändert. Wochenlang hatte ich überhaupt keine Arbeit und alles wurde verschoben. Ab und an wurde dann manches auf Online umgestellt. Dabei fehlt mir aber schon die Reaktion vom Publikum. Es ist irgendwie kurios, du sprichst in einen toten Raum.

Ich hatte ziemlich viel Glück, denn für mich haben sich viele neue Sachen ergeben. Die auch Geld eingebracht haben, für viele ist genau das das Problem. Die Veranstaltungen die langsam in Hannover auch wieder starten, sind ein Tropfen auf dem heißen Stein. So wirklich lässt sich davon auch nichts ernähren.


Der Eindruck entsteht, dass sich die Politik für die Kunst- und Kulturszene gar nicht interessiert, obwohl Hannover Kulturhaupstadt werden möchte.


Es macht sich, glaube ich, keiner Gedanken darüber, dass es vielleicht 2025 nur noch ein Drittel der Szene geben wird. Dieser Gedanke wird einfach beiseitegeschoben. Am Anfang dachte ich noch, dass ist ganz okay für mich, ein paar Wochen zuhause zu sein. Ich habe das nicht geschafft, zumindest in der extremen Zeit von April bis Juli. In der gesamten Zeit konnte ich nicht kreativ arbeiten, mein Kopf hat da nicht mit gemacht. Zum Glück hatte ich ein paar Rücklagen, die jetzt über den Sommer aufgebraucht sind.

3.000€ habe ich von der Soforthilfe bekommen, von denen ich aber bis heute nicht weiß ob ich sie zurückzahlen muss oder nicht. In meiner Branche, wenn es um Auftreten und Moderation geht, dann ist die Hauptzeit von März bis Juni. Was man da verdient, reicht dann für die Sommerpause aber die Zeit hat halt gefehlt. Am Anfang dachte ich noch, okay, gut sind wir 14 Tage Zuhause, dann ist wieder alles gut. Das war ja nicht so…


Wenn ich immer noch keine Aufträge gehabt hätte, hätte ich mir überlegen müssen, ob ich mir nicht einen Job suchen muss. Wenn denn überhaupt jemand eingestellt hätte, gerade stellt ja auch keiner ein.


Ich habe die Soforthilfe vom Land Niedersachsen beantragt, ich glaube eine viertel Stunde nach dem der Antrag rein war. Ich war superschnell, dass war auch mein Glück. Am Anfang hatten die eine Klausel, dass du das Geld auch bekommen kannst, wenn du 50% des Durchschnittseinkommens im Frühjahr verdient hast. Den haben die nach ein paar Tagen gestrichen. Die, die das danach gemacht haben, haben halt nichts mehr bekommen. Ich traue mich noch nicht die 3.000€ anzufassen, weil ich nicht weiß ob ich die nicht vielleicht doch noch zurückzahlen muss. Die hätten mich aber auch nur zwei Monate getragen. Es war eine schöne Idee, mehr aber auch nicht.

Ich glaube die Politiker*innen haben immer noch das Bild im Kopf, von den verqueren Künstler*innen, die den ganzen Tag rumhocken und sinnieren. Das stimmt ja nicht, das sind ja hart arbeitende Menschen. Selbst Veranstalter*innen und Clubbesitzer*innen wissen nicht, wie es weitergehen soll.

Ehrlich gesagt, waren die meisten Soforthilfen für Menschen wie mich, Soloselbständige, irrelevant, weil wir haben keinen Arbeitsraum, Atelier, keine Angestellten und keine laufenden Kosten. Dann hast du auch nichts bekommen. In der Vergangenheit hat jede Idee davon gefehlt, wie es Soloselbständigen und Kreativen überhaupt geht. Also alleine der Gedanke wir machen Hilfen für laufende Betriebskosten, ohne sich vielleicht vorher mal zu überlegen, wie viele von denen den jetzt Geld fehlt, laufende Betriebskosten haben.

Ich konnte während der Corona Zeit nicht denken.

Ich hatte eine Schreibblockade, immer wenn sich die Möglichkeit ergeben hat, etwas Live oder Online zu machen, hatte ich einfach keinen Bock.

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Ninia „LaGrande“ Binias
c/o ravenrocker GmbH
Im Ferkulum 4
50678 Köln,
Deutschland