KATRIN SCHINKÖTH-HAASE

KATRIN IST SCHAUSPIELERIN UND LEITET THEATER-WORKSHOPS.

Die aktuelle Entwicklung in der Kultur- und Kunstbranche ist betrüblich, denn es entsteht der Eindruck, Theater, Galerien, Lesungen und Konzert sind nicht wichtig. Doch wir brauchen diese für die Entwicklung einer Gesellschaft aus vielen kleinen Individuen. Viele Künstler*innen sind ausgewichen und haben gesagt: „Okay, dann mach ich eben einen Stream davon.“.

Die Lesung oder der Kabarett-Abend findet dann halt im Netz statt. Alles wird konsumierbar Zuhause. Das gemeinsame Erlebnis zwischen Künstler*innen und Zuschauer*innen, im Theater zu sitzen und plötzlich ist alles Dunkel, gemeinsam zu spüren, wie der*die Schauspieler*in auf der Bühne zittert vor Aufregung oder wie seine*ihre Stimme bebt. Wenn ich das zuhause vor meinen Laptop tue, dann mache ich das Erlebnis in einer Einsamkeit.


Vielleicht weine oder lache ich auch, weil der Film gut ist aber das gemeinsame Erlebnis, der soziale Faktor fehlt. Ich habe Angst, dass es langfristig so bleibt, wenn es solche Lockdowns geben wird.


Meine Sorge ist, dass es, ich überspitze jetzt mal, für die Bildung von Jugendlichen, von Kindern, wenn der ganze künstlerische Faktor wegfällt, eine seelische Verwahrlosung mit sich bringt. Das klingt jetzt doof aber wir vereinsamen ohne es zu merken. Ich glaube, hinter den Medien, die noch zugänglich sind, kann man sehr schnell vereinsamen oder sehr schnell ausgegrenzt werden, ohne, dass es andere wahrnehmen. In der Gruppe, im sozialen Gefüge ist es ein ganz anderes Agieren. Die Frage, wie lange ich noch so weiter machen kann, hängt davon ab, was ich für Hilfen bekomme. Im letzten Lockdown, der sehr unverhofft kam und lange dauerte, hätte ich nicht überleben können, wenn mein großer Sohn mich nicht finanziell unterstützt hätte, wenn meine Eltern mich nicht unterstützt hätten und wenn meine Freundin mich nicht unterstützt hätte.

Dann hätte ich, wie viele meiner Kolleg*innen Hartz IV anmelden müssen.