ILKA THEURICH

ILKA IST PERFORMANCEKÜNSTLERIN, COACHIN UND KURATORIN.

Ich persönlich weiß nicht, wie es im Dezember weiter geht, da ich zurzeit keine Aufträge mehr bekomme. Vereinzelt hatte und habe ich Coachings, aber wesentlich weniger als sonst. Die Team- und Firmen-Coachings kommen gar nicht mehr rein, weil die Firmen erstmal ums eigene Überleben kämpfen müssen. Und von den einzelnen Coachings kann ich mich nicht wirklich über Wasser halten. Als Performancekünstlerin konnte ich dieses Jahr genau an 2 Veranstaltungen teilnehmen und davon wurde nur eine Performance mit einem Honorar vergütet.

Alle anderen, schon organisierten und gebuchten, nationalen und internationalen Veranstaltungen, sind abgesagt worden. Als Künstlerin gebe ich auch regelmäßig große Workshops. Aber auch das ist dieses Jahr mit nur einem Workshop, nicht dafür geeignet große Einnahmen zu machen. Online Coaching und Online Workshops laufen erst langsam an. Die Menschen tun sich hier doch eher schwer mit dieser massiven Umstellung auf Onlineangebote.


Als 100 % Selbstständige habe ich bisher gar keine Gelder aus Fördermitteln bekommen.


Hier in Hannover war ich gerade an einer Hörfunkproduktion beteiligt, als ein Sonderprogramm für bildende Künstler*innen durch zwei bekannte Stiftungen ihr Bewerbungsportal öffnete – aber nach drei Stunden war der Topf leer. Also musste ich mich selbst über Wasser halten. Museen und Galerien waren gerade kurzzeitig wieder geöffnet, aber auch in dieser Zeit fanden, auf Grund der Hygienekonzepte, keine Live-Events statt. Als Performancekünstlerin arbeite ich aber nun einmal hauptberuflich live.

Jetzt, im zweiten Lockdown, ist es wichtig, Fördergelder auch für Solo-Selbständige und ihre Lebenserhaltungskosten auszugeben. Ich kann bestimmte Projekte während einer Pandemie einfach nicht umsetzen und dafür brauche ich eine Übergangshilfe, um über den Winter zu kommen. Meine Ersparnisse reichen noch bis Ende November, danach brauche ich aber Hilfe für Dezember, Januar, Februar und März.


Das sind vier Monate, wo ich noch nicht weiß, wie ich meine Miete zahlen soll, wo mein Essen herkommt und wie ich meine Krankenversicherung bezahlen kann.


Die Förderung muss schnell kommen. Die Lebenserhaltungskosten müssen gedeckt werden für den Winter 2020 bis schätzungsweise März, April nächsten Jahres. Wenn mir ein*e Politiker*in erzählt, jetzt können Sie ja ganz leicht Hartz IV beantragen, dann gehen bei mir alle Alarmglocken an. Super, dann fliege ich aus der Künstlersozialkasse raus und bis ich da wieder reinkomme, dauert es ein bis eineinhalb Jahre. Der bürokratische Aufwand ist zu groß. Wir brauchen keine Stipendien, wir brauchen ein Grundeinkommen, dann hätten wir dieses Problem nicht. Und es zeigt mir, wie unbedacht in Deutschland mit Fachpersonal umgegangen wird.

Was wir in der Pandemie gesehen haben, dass Politiker*innen, gerade Berufspolitiker*innen komplett den Kontakt zur Realität verloren haben. Die begreifen nicht, dass sie hoch ausgebildete Leute der drittgrößten deutschen Industrie, gegen die Wand fahren lassen. Ich weiß nicht wie Deutschland sich von diesem Schaden wieder erholen kann. Wenn ich sehe, dass börsennotierte Unternehmen, Lufthansa oder davor auch Banken gerettet werden, aber eine starke Industrie, wie die Kultur- und Kreativwirtschaft, in diesem Land nicht gerettet wird, denke ich nur, dass diese Leute keine Ahnung haben. Diese Dummheit frustriert.


Wacht auf! Liebe Politiker*innen, informiert euch! Begreift endlich, dass die Kreativwirtschaft euren Arsch retten kann, sie kann Innovation zurück nach Deutschland bringen.


Am Anfang des Lockdowns, dachte ich, jetzt muss die Welt begreifen, was es heißt ohne Kunst und Kultur klarzukommen. Ich hätte mir auch gewünscht, dass die Kunst- und Kulturszene einfach mal komplett für vier Wochen die Schnauze gehalten hätte… keine Musik, kein Radio, kein Fernsehen, kein Instagram, einfach Stille… vielleicht hätte dann die Welt begriffen, wie wichtig wir sind. Aber stattdessen, rennen wir rum wie Duracell-Hasen und machen alles Online, zum Teil sehr oberflächlich. Nur Quantität, statt Qualität.

Innovation braucht Kreative.

Kontaktiere Ilka

Ilka Theurich – coaching lab
Zur Bettfedernfabrik 3
30449 Hannover,
Deutschland