ALEXANDER ZIEGLER

ALEXANDER STUDIERT FOTOJOURNALISMUS. ER ARBEITET ALS FREIBERUFLICHER FOTOGRAF.

Corona war für mich der Todesstoß für die Saison. Ich hatte bisher Umsatzeinbrüche von 80%. Das bedeutet, wenn ich keine Hilfe bekomme, werde ich definitiv einen Schuldenberg anhäufen. Alle größeren Hochzeiten wurden bei mir abgesagt, da hat sich bei mir Hoffnungslosigkeit breitgemacht. Ich dachte, wenn ich Hilfe bekomme schaffe ich es übers Jahr, indem ich alle Ausgaben herunterfahre und nächstes Jahr wird wieder alles gut.

Dann habe ich erfahren, dass die Soforthilfen nicht zu 100% an alle Personen gehen, sondern es einen bestimmten Kreis gibt, der davon profitiert. Da ich nebenbei studiere, muss ich wahrscheinlich die Soforthilfe im vollen Umfang zurückzahlen. Jetzt weiß ich nicht mehr, wie ich mein Studium finanzieren soll und nächstes Jahr zahle ich dann erstmal meine Schulden ab.


Durch Corona bin ich kritischer geworden mit der Selbstständigkeit.


In Zukunft werde ich mir mehrere Säulen aufbauen, die reine Fotografie entwickelt sich so schnell weiter, dass ich mir in Zukunft einen sozialversicherungspflichtigen Job suchen werde, der mich absichert. Ich fordere von der Politik, dass Freiberufler*innen oder Gewerbetreibende wieder stärker wahrgenommen werden und nicht nur der Mittelstand in den Fokus der politischen Debatten rückt. Nicht nur der Mittelstand ist das Rückgrat der Gesellschaft, auch die vielen kleinen Unternehmer*innen und Einzelunternehmer*innen sind wichtig.

Ich habe das Gefühl, ich mit meinem kleinen Gewerbe werde nicht wirklich ernst genommen, sowohl in der Politik als auch im Umfeld. Ich höre immer wieder ,,Du hast doch Soforthilfe bekommen, dir geht es doch gar nicht so schlecht.“. Aber, dass die Realität eine komplett andere ist, dass der Großteil der Kreativwirtschaft die Soforthilfe wieder zurückzahlen muss, ist im Großteil der Bevölkerung noch nicht angekommen.


Ich glaube, dass die Politik, viele dieser kleinen oder Ein-Mann-Betriebe

als Belastung sieht.


De facto wird die Kreativbranche nicht wirklich unterstützt. Die Unterstützungsmaßnahmen, die durchgeführt wurden, also die Soforthilfen von Bund und Land, sind nicht für Kleinunternehmer*innen, denn ich kann davon keinen Cent für meinen Lebensunterhalt ausgeben. Also meine Miete nicht, kein Essen. Was ich gerade mache, ich baue in meinen Kleingarten Obst und Gemüse an, damit ich über den Winter komme.

Man sagt uns, dass man seinen Lebensunterhalt mit ALG I also Harz IV begleichen soll. Ich werde als Unternehmer getrieben Hartz IV zu beantragen. Das ist entwürdigend.

Als Unternehmer*in jetzt in den Topf der Sozialhilfeempfänger gesteckt zu werden, mit dem ganzen bürokratischen, demütigenden Apparat, der da noch mit dran hängt.

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Alexander Ziegler
Visual Storytelling
30449 Hannover,
Deutschland