ALEXANDER BIRKL

ALEXANDER IST VERANSTALTUNGSTECHNIKER UND SEIT 30 JAHREN IN DER BRANCHE.

In meiner Firma haben unter normalen Umständen mindestens drei Leute gearbeitet. Durch Corona musste ich meine Mitarbeiter*innen entlassen und in neue Räume ziehen, um die Belastung gering zu halten.

Als die Entscheidung fiel, wir müssen Kosten sparen, da musste ich mich erstmal eine Woche lang sammeln. Dann konnte ich anfangen Konsequenzen zu ziehen. Wir haben alles so klein gefahren wie möglich.


Die Unterstützung seitens der Regierung war ungleich verteilt. Ich meine, der Lockdown hatte nicht alle gleich getroffen. Bankkredite, Leasingverträge und Mieten liefen weiter.


Da muss man sich schon fragen, wo ist das ein ausgeglichener Lockdown. Letztendlich hätten da alle mitmachen müssen, auch Banker*innen und Vermieter*innen. Jede*r hätte ein Überbrückungsgehalt bekommen, sagen wir von 800€, davon kann jede*r überleben, auch ein*e Banker*in oder Vermieter*in. Damit hätten sie Mittelständler*innen und Unternehmen vor Überschuldung oder dem Ruin gerettet.

Momentan befürchte ich, für den Winter, das Schlimmste. Weihnachtsmärkte sind quasi schon abgesagt, Indoor-Veranstaltungen finden kaum statt. Selbst, wenn es die Möglichkeiten gibt, müssen Veranstalter*innen und Künstler*innen mit nur einem Drittel der Besucher*innen kämpfen. Dann bleibt es schwer zu finanzieren, auf entsprechendem Niveau. Man kann ja auch nicht erwarten, dass die Künstler*innen und Techniker*innen, dort permanent umsonst Arbeiten. Leistung muss auch bezahlt werden.


Normalerweise nehmen wir das Geld der Sommersaison in die kalte Jahreszeit mit. Dadurch, dass wir aus dem Winter kamen, war das Polster entsprechend dünn und die Sommersaison kam eben nicht.


Was wir früher zu dritt gemacht haben, mach ich jetzt alleine. Somit ist mein Tag nicht kürzer geworden, nur der finanzielle Output ist geringer. Ich arbeite eigentlich, um den Laden am Laufen zu halten. Viele Aufträge, die du bekommst, werden wieder abgesagt. Man kann erst eine Woche vorher sagen, ob die Veranstaltung jetzt stattfindet oder eben nicht. Ich weiß nicht, ob ich in zwei Monaten noch finanziell existieren kann. Es ist nahezu unplanbar, man hangelt sich von Job zu Job. Ja, ich kann es nicht sagen, vielleicht ist es im Dezember mit den Bestimmungen wieder vorbei oder vielleicht ist es mit der Firma ganz vorbei.

Anfang April haben wir eine Förderung beantragt, bei den Bundesmitteln, dann siehst du, wie deine Kolleg*innen nach zehn Tagen Geld auf dem Konto haben. Ende April, Mitte Mai wir haben noch mal Anträge gestellt, Ende Mai, Mitte Juni kein Geld. Ende Juni kam dann endlich das Geld. Als ich schon gar nicht mehr daran geglaubt habe. Die Kommunikation war ja nicht da, man wusste nicht, ob man es bekommt oder nicht. Dann konnten wir wenigstens noch die Mieten für das Lager, der letzten Monate zahlen. Jetzt ist halt die Frage, wo kann man noch sparen? Meldet man den Wagen ab? Dann braucht man aber auch einen Parkplatz. Irgendwo beißt die Katze sich in den Schwanz.


Wir sind die Branche für Sicherheitskonzepte. Hygienekonzepte können wir. Warum werden wir nicht ins Boot geholt? Warum wird nicht konstruktiv zusammengearbeitet, sondern destruktiv?


Es wird nur verboten, verboten, verboten. Nach Alternativen wird gar nicht gesucht, es wird auch nicht kommuniziert. Wenn man es verbietet, dann soll man die Leute auch vernünftig auffangen. Jeden Monat ein Grundgehalt von 1.000€ an die Künstler*innen und Techniker*innen. Dann kann man wenigstens noch kreativ arbeiten und was schaffen und muss nicht um seine Existenz bangen. Was sind meine Alternativen? Hartz IV beantragen? Wenn ich den Antrag stelle, wo nachgeguckt wird, was meine Lebensgefährtin verdient und, und, und. Ich sag mal, wer setzt sich dem freiwillig aus? Die Selbstachtung geht bei Künstler*innen und Techniker*innen verloren, das sind ja alles Leute, die was können.

Techniker*innen werden weniger wahr genommen, als die Künstler*innen. Denn die Techniker*innen sind immer da. Das Problem ist, dass sich keiner hinstellt und den Politiker*innen mitten in der Rede den Saft ausdreht, um mal ein Zeichen zu setzen. Das traut sich keiner. Den Job hat man dann verloren und bekommt ihn auch nicht wieder. Ich hoffe, dass die Menschen irgendwann für sich wiederentdecken, wie es ist, in einer Gruppe Menschen zu leben und zu sein und einfach den Moment zu genießen. Ist doch egal, ob beim Sport, im Stadion oder bei einem Live-Konzert. Da sind positive Energien, die wir so nirgend anders finden, die wir alle vermissen.

Wir sind sozialisiert als Gemeinschaft, wo Abstand einfach nicht funktioniert.

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